Praxisnetz-Studie 2009
Das deutsche Gesundheitswesen immer noch vor großen Herausforderungen. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Gesundheitswesens hat sich die Landschaft im deutschen Gesundheitswesen erheblich verändert. Der Druck auf niedergelassene Ärzte nimmt zu: Bürokratie, Kostensenkung und Wettbewerbsdruck durch Klinikketten, die verstärkt auch im ambulanten Bereich tätig werden. Als Gegeninitiative wurden Praxisnetze gegründet, mit dem Ziel die Gesundheitsversorgung qualitativ und kostenmäßig durch eine Intensivierung der Koordination und Kooperation unter den Leistungserbringern zu erhöhen. Die Praxisnetz-Studie 2006 hat gezeigt, dass die Netze damals noch erhebliche Herausforderungen zu meistern hatten. Auch der Sachverständigenrat konstatierte in seinem Gutachten zur Integrierten Versorgung, dass "eine Zwischenbilanz des bisher Erreichten unter gesundheitlichen und ökonomischen Aspekten noch nicht zufrieden zu stellen [vermag]". Mit dem Wegfall der Anschubfinanzierung wird der Druck auf die Netze zudem immer größer, da bei neuen Verträgen grundsätzlich Qualitäts- und Kostenvorteile nachgewiesen werden müssen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die heutigen Praxisnetze professionell genug sind, um die Anforderungen der Kostenträger zu erfüllen und um ihre eigene Existenz zu sichern. Um diese Fragen zu beantworten, untersuchte das Competence Center "E-Health Networking" am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik II der Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen einer empirischen Studie den Reifegrad von Praxisnetzen hinsichtlich strategischer, prozessualer und informationstechnischer Faktoren. Die Arbeit schafft Transparenz hinsichtlich des Entwicklungsstandes der Praxisnetze in Deutschland und vergleicht diese mit Tendenzaussagen aus der Schweiz und aus Schweden. Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeitgeführten Netzen werden ebenso herausgearbeitet wie Praxisnetz-Typen, die eine generelle Klassifikation der Praxisnetze erlauben. Darüber hinaus werden Best Practices der führenden Praxisnetze in Deutschland sowie Handlungsempfehlungen auf Basis der aktuellen Forschungsergebnisse dargestellt.
Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Die Netze haben sich in den letzten drei Jahren nur langsam weiterentwickelt. Nur sieben Netze weisen heute gute oder sehr gute Ergebnisse auf („Netz-Profis“). An der Studie, in der auch Branchentrends und Barrieren sowie Koordinationsaspekte analysiert wurden, haben insgesamt 100 Netze teilgenommen (davon 86 aus Deutschland und 14 aus der Schweiz). Für 76 dieser Netze konnte der Reifegrad anhand des Rücklaufs bestimmt werden.
Die Ursachen für die langsame Entwicklung sind vielfältig und lassen sich anhand der Studienergebnisse gut nachvollziehen: geringer Professionalisierungsgrad im Management, kaum Controlling-Strukturen und unzureichende IT-Unterstützung der Versorgungsprozesse im Netz. Durch die deutschlandweite Befragung und die erfreulich hohe Teilnahme entsteht eine repräsentative Darstellung des Reifegrades, die es einzelnen Netzen ermöglicht, sich im „State-of-the-Art“ zu positionieren. Anhand der erarbeiteten Handlungsempfehlungen und der Best-Practice-Beispiele können Weiterentwicklungspotenziale für die Netze abgeleitet werden.
Die Studie kann für € 195,- (zzgl. MwSt) erworben werden.
Kontakt: Jörg Purucker
Die Studie wurde veröffentlicht und kann per Mail bestellt werden.
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